5. Herzenswunsch

Wir machen Wünsche wahr!

Herman van Veen erfüllte Herzenswunsch:

Schwer an ALS-erkrankter wollte den holländischen Sänger persönlich kennenzulernen


Von Markus Neumeier

Einmal den Liedermacher Herman van Veen persönlich kennen-zulernen, mit ihm sprechen, ihm sein Herz ausschütten und natürlich sein Konzert zu erleben, war der Herzenwunsch des 44-jährigen Christoph Hunscher aus dem Allgäu. Der leidgeprüfte Mann ist schwer an ALS (bekannt durch Prof. Immendorf), erkrankt. Die Diagnose der Ärzte: Er hat nur noch wenige Jahre zu leben.



Diesen Herzenswunsch erfüllte die seit 1998 bestehende, gemeinnützige und mildtätige Lübecker Wunsch Company e.V., und es war für die Mitglieder eine große Freude und für den Verein ein "Heimspiel". Denn Herman van Veen trat am Wochenende in Lübeck in der Musik- und Kongreßhalle auf. Für den tapferen Mann, der die Hoffnung nicht aufgiebt, wurde das Wochenende zu einem unvergeßlichen Erlebnis.

Was ist eigentlich ALS? Die Amyotrophe LateralSklerose (ALS) wurde im Jahr 1830 erstmals von Bell beschrieben. Der Pariser Nervenarzt Charcot gab ihr 1874 den heute gebräuchlichen Namen "Amyotrophe Lateralsklerose".
Im deutschsprachigen Raum wird häufig auch die gleichbedeutende Bezeichnung MyAtrophe Lateralsklerose (MAL) verwendet.

Christoph Hunscher, der Computerspezialist ist und heute an Krücken gehen muß, brachte eine Freundin mit, die manches in Gesprächen vermitteln mußte, was man schwer verstehen konnte, da ihm das Sprechen durch die Muskelkrankheit immer schwerer fällt.

Vor dem Konzert am Abend waren 10 Minuten für das Gespräch vorgesehen. Doch der Sänger nahm sich trotz des engen Terminplans eine halbe Stunde für den Herzenswunschkandidaten Zeit. Der war tief bewegt und unglaublich glücklich. Er erzählt: "Wir saßen in einem hellen freundlichen Raum mit Blieck auf Lübeck Kirchen. Herman van Veen betrieb nicht nur Konversation, sondern machte mir Mut, ging auf mich ein, nahm mich ernst und gab mir aktive Lebenshilfen. Ich las, daß er viel hilft, UNICEF-Botschafter isat und Kinder unterstützt. Er bestärkte mich in meinem Vorsatz, über mein Leiden eine Buch zu schreiben. >Tu es für dich, zögere nicht< sagte er, >die Leute, die mehr über Dich und die Krankheit wissen wollen, werden von alleine kommen<. Er sprach von ethischen Werten, die bei uns Menschen verloren gegangen sind und davon, daß wir für einander da sein müssen um uns gegenseitig zu helfen in schweren Zeiten. Das Gespräch gab mir viel."



Auch sehr persönliche Dinge besprachen die beiden, die ihr Geheimnis bleiben werden. Herman van Veen begegnete Christoph Hunscher mit viel Herzenswärme, ließ keinen Zweifel daran, daß es wichtig ist, diesen Schicksalsschlag anzunehmen, mit ihm fertig zu werden, aber vor allem gegen diese geißelnde Krankheit zu kämpfen.

Wolfgang Freywald (57, Präsident LWC): "Wir wollen Menschen, die ein schweres Schicksal zu erleiden haben, Lebensmut und Hoffnung schenken und durch die Erfüllung eines Herzenswunsches ihre innere Kraft stärken. Wir können keine Krankheiten lindern oder wegzaubern, aber wir können dafür sorgen, daß Schwerkranke für eine Zeit ihr Schicksal vergessen und sich wirklich am Leben

erfreuen können. Davon zehren sie noch sehr lange und schöpfen so unendlich viel Kraft daraus."

Zustande kam der Herzenswunsch durch Petra Döge, eine Freundin aus Bad Grönenbach (im Allgäu). Sie schrieb an die Lübecker Wunsch Company e.V. einen an das Herz gehenden Brief, der den Vorstand veranlaßte, den Wunsch in Angriff zu nehmen. Sie schrieb:
"Mein Freund Christoph Hunscher (44) hat seit einem 3/4 Jahr die Diagnose ALS (bekannt durch Prof. Immendorf). Er wird vielleicht schon in 2-3 Jahren sterben und bis dahin im eigenen Körper langsam immer mehr und mehr gelähmt werden. Eine der unvorstellbar schlimmsten Krankheiten überhaupt! Es gibt keine Heilung und er kann kaum noch laufen und schlecht sprechen.



Da wir kein Geld haben, sind viele seiner Lebenswünsche noch unerfüllt geblieben und ich würde ihm so gerne noch etwas davon erfüllen, das ihm neue Heilungskraft und Lebensmut geben könnte."

Astrid Lembcke, auch mit der Erfüllung des Herzenswunsches betraut: "Wir machten uns sofort an die Arbeit, telefonierten mit Frau Döge, schrieben Briefe und viele E-Mails gingen hin und her. Vieles mußte geregelt werden, zeitliche Abläufe koordiniert und Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Aber vor allem: Herman van Veen mußte bereit sein, mit Christoph Hunscher zu sprechen. Das Konzertmanagement Jahnke und die Lübecker MuK halfen sofort, Herman van Veen sagte zu. Die Deutsche Bahn AG spendierte die Fahrkarten für die weite Reise und stellte die Betreuung an den Bahnhöfen. Das Hotel Jensen sorgt für die Unterbringung in wunderschönen Zimmern, das Mövenpick- und das Scandic Hotel, sowie das Lübecker Yachtzimmer luden Hunscher zu oppulenten Essen ein. Die Maak-Linie stiftete eine Hafenrundfahrt und das Konzertmanagement schenkte uns die Konzertkarten. Und ein Feuerwehrmann und Rettungsassistent war extra als Hilfe für Christoph Hunscher mit dabei."



Hunscher fieberte nach dem nachmittäglichen Gespräch mit Herman van Veen dem Konzert entgegen und war danach vollkommen begeistert: "Ein Traum ging für mich in Erfüllung. Ich bin der Wunsch Company und natürlich Herrn van Veen sehr dankbar. Das Konzert bewegte mich sehr und zum Schluß konnte ich ihm noch einen Blumenstraß schenken und er fragte mich von der Bühne herab, >"na hat es Dir gefallen?"< Ich strahlte ihn nur an und war vollkommen glücklich."

Sigrid Kapitzke, Vorstand und verantwortlich für diesen Herzenswunsch: "Die Augen unseres Herzenswunschkandidaten strahlten noch am nächsten Tag und seine Freude war noch einmal riesig groß, als wir ihm die ersten Fotos aus dem Konzert präsentierten. Wir sehen es als unsere vornehmste Aufgabe an, unseren Kandidaten den Herzenswunsch so angenehm wie möglich zu gestalten, denn sie sollen sich noch lange mit Freude an das Erlebte erinnern und daraus immer wieder Kraft schöpfen, um gegen die Krankheit angehen zu können. Dies, so sagten uns Herr Hunscher und seine Freundin, ist uns voll gelungen und darüber sind wir ganz besonders froh und glücklich. Denn das war unser "Herzenswunsch"."




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